Erziehung ohne Leckerchen

Eigentlich wollte ich gerade einen Blogbeitrag über die Diskussion Leckerchen ja oder nein schreiben, stelle aber fest, dass ich das ja bereits 2009 getan habe 😉

Gerade am Wochenende hatte ich wieder die Diskussion mit jemandem, der im Brustton der Überzeugung verkündete, er erzieht seinen Hund ohne Leckerchen. Ausdruck, Haltung und Metabotschaften verkünden dabei oft ganz klar „Ich bin der bessere Mensch, ich kann das!“.

Ich frage mich (und mein Gegenüber) dann immer: Warum? Kommt man eher in den Himmel (und will ich da überhaupt hin?), wenn man ohne Futter erzieht? Verbessert es mein Karma? Oder das meines Hundes? Oder den Weltfrieden?

Wie die Krawallmaus so schön in ihrem letzten Buch schrieb, sind Hundetrainer oft Hunden gegenüber selbstbewusst, schnell, autoritär und nicht zuletzt konsequent auftretende Menschen – so jemand hat es mit Hunden natürlich leicht. Hunde lieben eine selbstbewusste Führung und sind dann schnell bereit, einem jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Ich bin ja auch so jemand und muss leider zugeben (sicher schlecht für mein Karma… oder ist das wieder gut, wenn ich es öffentlich zugebe?), dass das zum einen mit Hunden sehr bequem ist und zum anderen natürlich gut fürs Ego 😉

Leider nützt das meinem Kunden, der diese Ausstrahlung vielleicht nicht hat und zum anderen evtl. Ersthundebesitzer ist, eher wenig. Da hilft es auch nicht, wenn ich verkünde „Da brauchen sie halt mehr Persönlichkeit!“.

Ich muss in der Hundeerziehung natürlich unterscheiden: Ausbildung, d.h. die ganzen formalen Sachen wie Sitz, Platz, Komm, Leinenführigkeit etc. sind für den Hund abstrakte Handlungen, die er erst einmal lernen muss. Hier erleichtert eine sinnvoll eingesetzte Belohnung das Lernen ungemein. Aber (Zeigefingerheb!), eine Belohnung ist nur eine Belohnung, wenn sie auch als solche empfunden wird.

Ich habe dutzende von Filmaufnahmen, in denen einem Hund „liebevoll“ und „belohnend“ über den Kopf gestreichelt oder an ihm herumgeklopft wird. Der Mensch meint es als Lob (und fühlt sich noch toll dabei, schließlich bildet er den Hund ohne Leckerchen aus = guter Mensch!), der Hund duckt sich ab, wendet den Kopf ab, leckt sich über die Schnauze (züngelt), weicht evtl. sogar zurück und zeigt mit all diesen Verhaltensweisen sein Unwohlsein. Evtl. erträgt er es, belohnt fühlt er sich ganz sicher nicht!

Damit ein Hund eine taktile (= körperlich) Belohnung auch als solche empfindet, müssen einige Voraussetzungen gegeben sein: Er muss zum einen der Typ dafür sein, manche Hunde mögen das mehr als andere und einige überhaupt nicht. Und die Beziehung von meinem Hund zu mir muss stimmen: Er muss sich als zugehörig fühlen und mich als Führungspersönlichkeit (im guten, nicht im tyrannischen Sinne!) anerkennen. Manche schreiben dann lieber von der Elternrolle, aber ich bin sicher, meinem Hund ist das Etikett egal – der Inhalt muss stimmen.

Bis ich aber diesen Grad an Beziehung erreicht habe, dauert es für Ersthundebesitzer erfahrungsgemäss ein wenig. Oder die Beziehung ist schon in einer Schieflage… oder der Hund hat aufgrund seiner Vorgeschichte erhebliche Probleme, einen Menschen überhaupt als Sozialpartner anzuerkennen oder, oder… Gründe gibt es viele.

Natürlich kann man als Belohnung auch spielen. Spielt der Hund gerne, ist das ebenfalls eine sehr sinnvolle Bestätigungsmöglichkeit… oder man gibt den Hund frei und er darf zu der interessanten Schnüffelstelle laufen oder, oder… Möglichkeiten gibt es viele und der gute Hundetrainer wird genau diejenige nutzen, die für das vor ihm stehende Mensch-Hund-Team das Beste ist: Beiden muss es Spaß machen!

Auch wenn ich mit meinen Hunden schon lange so weit bin, dass sie Aufmerksamkeit und Lob von mir tatsächlich als solches empfinden, habe ich auf den meisten Spaziergängen immer noch Futter dabei (und ein Spiely für Bran).

Ich arbeite gerne mit Futter und erfreue mich an den strahlenden Hundeaugen, wenn es zwischendurch für gute Leistung etwas Leckeres gibt 🙂 … oder ein Sozialspiel…. oder ein Spielzeug…. oder was auch immer 😉

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