Augen auf beim Welpenkauf!

Ein neuer Welpe soll es sein! Eine Kollegin ist gerade auf der Suche nach einem neuen Welpen und sucht daher das Internet rauf und runter nach geeigneten Züchtern. Züchterseiten bieten schon mal eine gute Vorabinfo, auch wenn man sich bei weniger aussagekräftigen Seiten nicht sicher sein kann, ob es nur ein Problem mit der Homepageerstellung gibt oder bewußte Verschleierungstaktik vorliegt.

Letztens waren wir bei einem Züchter, der vollmundig mit „Siegerhunden“ und „Der Hundezucht für Rasse X“ wirbt. Die Zuchthunde sahen auf der Seite gut aus und erfüllten erst einmal weitestgehend alle Kriterien, die wir uns für den Hund erwünscht haben. Halbwegs erreichbar (unter 200km), also haben wir  einen Termin ausgemacht und sind hin.

Wir waren etwas zu früh und standen ein wenig ratlos vor dem Haus, da es keine Klingel gab. Drei Kleinhunde im Garten ignorierten uns, sondern standen vor einem gekippten Kellerfenster und starten hinein. Dort konnte man Leute rumoren hören, die jedoch unser Rufen ignorierten. Während wir warteten, wurde eines immer stärker… der Gestank! Es stank bis auf die Straße hinaus nach Hundekot – so sehr, dass es sogar ich gerochen habe – und das will was heißen.

Alleine das wäre schon ein Grund gewesen, wieder umzukehren. Natürlich darf es in einem Züchterhaushalt nach Hund riechen – und im Welpenzimmer auch mal mehr – aber ganz sicher nicht so.

Schließlich wurde uns die Tür geöffnet und wir durften eintreten. Der (vorher uneinsichtige) Hof war frisch abgespritzt und auch die Wohnküche, in die wir gebeten wurden, war frisch geputzt. Es roch insgesamt nach Hundekot plus Zitronenputzmittel…. In der Wohnküche stand eine Faltbox mit rosa Deckchen (ohne weitere Abgrenzung zum Raum hin) mit einigen halbnassen und eingeschüchterten Welpen, die angststarr da saßen und sich nicht rührten. Der nächste Grund, um hier keinen Hund zu kaufen. Eine kleine Erklärung: Welpen in diesem Alter (vier Wochen) sollten noch im Haus leben. Das war bei diesen Welpen sicher nicht der Fall. Sie waren frisch abgeduscht und offensichtlich für diesen Termin zum ersten Mal in diesem Raum. Woran wir das merken? Gut aufgezogene Welpen purzeln munter durch die Gegend und zerstören alles.. Kein normaler Mensch würde sie in einer Küche komplett frei laufen lassen, der entweder seine Wohnungseinrichtung behalten will oder verhindern möchte, dass sich die Welpen am nächsten Stromkabel umbringen. Die Züchterin erklärte, dass die Welpen gerade gefressen hatten und sie nur schnell die Pfoten saubergemacht hätte. Sie drückte jedem von uns einen weiterhin angststarren Welpen in die Hand und erzählte, sie seien noch so klein, und daher ein wenig ängstlich. Das ist Bullshit!

Ich fragte, ob die Welpen hier aufwachsen würde. Sie meinte ja und sie kenne sich aus, schließlich sei sie Hundetrainerin. Ah ja….

Auf meine nächste Frage, ob wir die Mutter mal sehen könnten, reagierte Sie mit „Wozu denn das“, ging aber los, die Mutter zu holen. Diese kam und sah sehr ungepflegt und verfilzt aus. Immerhin hatte sie ein großes Gesäuge und alle Welpen fingen an zu fiepen. Daraus läßt sich schließen, dass es sich wirklich um die Mutter (alternativ eine ebenfalls gerade säugende Tante) handelt. Die  Hündin hatte jedoch keinerlei Interesse an ihren Welpen und suchte nur (hungrig?) alle herumstehenden Näpfe ab,  ob es es etwas zu fressen gäbe. Das ist ein absolut nicht normales Verhalten.  Eine Mutterhündin bewacht ihre noch so jungen  Welpen normalerweise mit Argusaugen  und  behält Besuch gut  im Blick. Beim Versuch, die Hündin  zu streicheln, zuckte sie ängstlich zurück und wich meiner Hand aus.

Die Züchterin scheuchte sie dann auch schnell wieder hinaus und war von meiner nächsten Frage nach Zuchtpapieren schon sichtlich genervt. Die  Antwort war „Wozu wollen Sie das denn sehen, ich habe in  der Anzeige doch geschrieben, dass die Hunde gesund sind“. Äh  ja…. würden Sie so ein Auto kaufen? Tüv hat es keinen, aber ich sage, dass es ok ist? Leider machen  das viele Welpenkäufer, so unglaublich es sich anhört. Wir bestanden aber darauf und sie zog grummelnd los. Zurück kam sie mit einem laminierten Wisch. Auf der einen Seite stand etwas von FCI-Import , der Rest war auf russisch (vermute ich…). Auf der Rückseite gab es eine Reihe von Namen plus einem Papieraufkleber, auf dem handschriftlich HD, ED-Frei stand…. Dieses Teil taugt wegen der Laminierung noch nicht mal als Toilettenpapier…

Die Züchterin stellte übrigens keine einzige Frage  zu uns, sondern schwadronierte noch etwas von Umweltsozialisation und wieviele ihrer Welpen Therapiehunde seien usw.

Wir verabschiedeten uns recht schnell. Im angrenzenden Garten kamen dann noch mehr Hunde angerannt und bellten… Die Züchtern wollte die Hund über den Zaun streicheln, jedoch wichen auch diese alle vor ihrer Hand zurück. Wir flüchteten….

Ich bin entsetzt, dass diese Frau offensichtlich gut im Geschäft ist – ihr geforderter Welpenpreis ist astronomisch und deutlich höher als der Durchschnittspreis für diese Rasse.

Wir haben  dieses Erlebnis zum Anlaß genommen, um unsere Checkliste zu überprüfen. Hier das Ergebnis:

Die Checkliste kann hier heruntergeladen werden (und darf gerne geteilt werden).

PS: Veterinäramt ist informiert….

 

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Trainingstagebuch Ean Nr. 8

Ean ist jetzt etwas über 4 Monate alt. Altersangemessen hat er natürlich noch viel Blödsinn im Kopf, aber er arbeitet schön mit und wir machen Fortschritte.

Hunde verknüpfen normalerweise zuerst die Körpersprache des Menschen mit Kommandos und lernen erst später das alleinige Hörzeichen. Wenn man im Training sorgfältig darauf achtet, geht es natürlich schneller. Bran hat mich da sehr verwöhnt, da er unglaublich schnell Sprache lernt – sogar – sehr hundeuntypisch – eher als Sichtzeichen. Ich musste mit ihm keinerlei Hörzeichen extra trainieren (also die Sichtzeichen abbauen, er hat das von alleine gelernt). Witzigerweise fällt es mir bei fremden Hunden gar nicht schwer, da entsprechend darauf zu achten, bei Ean habe ich aber (unbewußt) erwartet, dass es genau so wie bei Bran geht. Natürlich wurde ich eines besseren belehrt und habe in den letzten Tagen beim Training da vermehrt darauf geachtet, da z.B. ein Platz auf Entfernung natürlich ohne Sichtzeichen klappen sollte – der Hund schaut ja nicht ständig zu mir her.

Ich konnte heute früh endlich mal beim Spaziergang filmen. Bran jedoch schaut sofort erwartungsvoll in die Kamera, wenn ich das Handy zücke, schließlich könnte ich ja etwas wollen 😉

Impulskontrolle ist immens wichtig, daher muss Ean immer mal wieder warten, während Bran etwas machen darf. Hier liegt er zu meinen Füßen, ich stehe auf der Leine und Bran läuft „Drumrum“.

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Trainingstagebuch Ean – Nr. 7 – Kurzurlaub in den Niederlanden

Ean ist jetzt etwas über vier Monate alt. Er ist gerade im Zahnwechsel, was ihn aber nicht davon hält, am liebsten Plastik anzunagen :0

Vergangenes Wochenende waren wir (Iris und ich) mit drei Hunden (Birk, Ean und Bran) zu einem Kurzurlaub in den Niederlanden, genauer gesagt in Nordwijk.

Ean, Bran und Birk

Wasser – und der Schäferhund ist glücklich

Bei traumhaftem Wetter hatten wir wundervolle Tage mit einigen neuen Erkenntnissen: Die Niederländer sind unglaublich entspannt mit Hunden und insgesamt sehr freundlich, sie haben überhaupt kein Problem mit Schäferhunden (dazu gleich mehr) und kennen sich bis zum letzten Aushilfskellner hervorragend mit Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) aus.

Als langjährige Schäferhundbesitzerin bin ich es gewöhnt, von anderen Hundebesitzern mit Argwohn betrachtet zu werden. Meistens kommt es gar nicht erst zum Kontakt, weil mir weiträumig aus dem Weg gegangen wird. Sind Iris und ich gemeinsam unterwegs, wird sie nach ihrem Pudel gefragt („Da ist aber schon Pudel mit drin, oder?“) und ich komplett ignoriert. Kommt es doch zu einem Gespräch, bekomme ich als erstes erzählt, dass der eigene Hund (oder der Vorgänger oder der vom Nachbarn) „Angst vor Schäferhunden hat, weil er schon mal von einem gebissen worden ist“. Ich frage mich nur, woher diese ganzen beißenden Schäferhunde kommen sollen, denn außer meinen eigenen treffe ich beim Spaziergang nie welche.

Direkt neben dem Ort in den Dünen (etwas oberhalb vom Strand) – ein wunderschönes Freilaufgebiet für Hunde.

Freilaufgebiet in Nordwijk… tausende von Quadratmetern und tausende von Kaninchen

In Nordwijk haben wir wirklich viele Hunde getroffen. Am Strand dürfen Hunde noch bis 01.06. komplett frei laufen und direkt neben dem Ortskern liegt in den Dünen eine riesige Freilaufzone. Interessanterweise haben alle! Menschen den Pudel komplett ignoriert und ich durfte viele und sehr nette Bemerkungen zu meinen Schäferhunden entgegennehmen. Ich wußte gar nicht, wie mir geschieht! Auch Menschen ohne Hund blieben stehen, gratulierten mir zu meinen Hunden und streichelten (ungefragt) und völlig entzückt. Außerdem haben wir während jedes(!) Spaziergangs mindestens einen weiteren Schäferhund getroffen.

Natürlich waren wir nicht urlaubshalber an der See, sondern nur zu Sozialisierungszwecken von Ean 😉  Dieser durfte (Bran übrigens auch) zum ersten Mal mit dem Meer Bekanntschaft machen, was bei beiden mit einem Untertauchen unter einer Welle endete – danach wussten sie Bescheid. Beide waren trotzdem völlig begeistert und konnten nicht genug vom Wasser bekommen.

Der Leuchtturm war immer dabei!

Am Strand war viel Platz, fast nur Hundebesitzer, einige Jogger und wenige Spaziergänge – alle friedlich nebeneinander.

Für mich persönlich war es auch wirklich schön, in jedem Restaurant trotz der Zöliakie auf absolut fachkundiges Personal zu treffen (auch in der Strandbar beispielsweise) und immer etwas leckeres zu Essen zu bekommen. Da kann sich so mancher deutscher Gastronom was abgucken…

KC Canida Venlo

Am Sonntag haben wir uns auf den Rückweg gemacht und – da es „Dag van de Hond“ war, haben wir uns in Venlo noch einen großen Hundeverein angeschaut. Dieser hatte ein tolles Programm mit sehr netten Trainerinnen, aber leider (zumindest als wir da waren) nur wenig Zuschauern. In einem großen Tierbedarfsmarkt waren wir übrigens auch. Das Angebot ist ähnlich, aber auffallend war, dass es eine wesentlich kleinere Auswahl an Leckerchen gibt – der deutsche Hund ist da deutlich verwöhnter 😉

Wieder in Deutschland sind wir unmittelbar hinter der Grenze eingekehrt und waren direkt wieder zu Hause: Argwöhnische Blicke auf die Schäferhunde und entzückte Ausrufe „Ist das ein Pudel?“

 

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Trainingstagebuch Ean Nr. 6

Ean ist jetzt 16 Wochen alt und wächst wie Unkraut 😉  Ich bin schon sehr gespannt, wie groß er wird. Übrigens: Die Endgröße kann durch die Fütterung nicht beeinflusst werden (es sei denn durch massive Mangelernährung). Durch zu viel oder zu viel hochwertiges Futter wird nur die Geschwindigkeit des Wachstums beeinflusst. Und ist das zu schnell, kann das später Gelenkprobleme bereiten. Ean ist daher immer sehr dünn, da er jedes Mehr an Futter nur in Wachstumsgeschwindigkeit umsetzen würde.

Vergangene Woche waren wir mit der Hundeschule im Wildpark in Bad Mergentheim. Ein sehr schöner Park, in dem auch Hunde (freien) Eintritt haben.

Ean kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus 😉

Während des Rundgangs und der Haustiervorführung kann man noch ganz wunderbar Aufmerksamkeit und Grundgehorsam angesichts von vielen anderen Tieren üben.

In der Basiserziehung ist weiterhin Festigung und Ausbau angesagt: Länger lieben bleiben, ein paar Schritte mehr an lockerer Leine usw. Mir persönlich ist als Notfallstop ein absolut zuverlässiges Platz auf Entfernung sehr wichtig, da ich in Streßsituationen (Reh springt auf, Fahrradfahrer kommt um die Ecke geschossen etc.) reflexartig Platz brülle. Daher müssen meine (großen) Hunde lernen, auf ein nochso panisch gebrülltes „Platz“ auch aus vollem Lauf zu stoppen und sich hinzulegen. Ich trainiere übrigens tatsächlich auch mein hysterisches Schreien als Kommando, aber das erspare ich Euch lieber als Video 😉 Allerdings kommt dieser Punkt ganz zum Schluss, vorher wird noch die Pfeife dazu trainiert. Ean ist aber noch nicht so weit.

Wenn es mal wirklich gut klappt, sieht das dann so aus (hier Bran):

Wichtiger Trainingspunkt ist derzeit auch die Unterscheidung der Hörzeichen innerhalb meiner Hundegruppe. Bisher war es so, dass alle Hörzeichen für Bran galten und die Chihuahuabande nur „dran“ war, wenn ich sie direkt angesprochen habe.. (Hörzeichen „Mädels“). Nun muss ich das ändern, da mit Ean ein weiterer großer Hund bei uns lebt. Neue Regeln sind nun: Hörzeichen alleine gilt für Bran und Ean. Name plus Hörzeichen nur für den genannten Hund. Habe ich einen Hund an der Leine oder trainiere direkt mit ihm, gilt auch hier das Hörzeichen alleine. Das ist übrigens für die Hunde deutlich weniger kompliziert als für mich (im Video mache ich auch einmal einen Fehler).

Wie immer gilt: Normalerweise baue ich alle diese Übungen während eines Spaziergangs ein. Die Platzaufnahmen sind hauptsächlich für den Blog. Da beide auf dem Platz nur vor mir stehen und auf gemeinsames Arbeiten warte, muss ich durch das Spielzeug auch mehr Dynamic reinbringen.

Die ersten Trails hat Ean nun auch schon hinter sich 😉

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Trainingstagebuch Ean – Nr. 5

Ean ist jetzt 13 Wochen alt. Die Schlafpausen werden kürzer (aber nur ein wenig). Insgesamt macht er immer sehr schön mit, aber es fällt ihm deutlich schwer, wenn meine anderen Hunde ebenfalls mit umherlaufen. Da ich hauptsächlich im „richtigen Leben“ und nicht nur auf dem Platz trainiere, ist diese Ablenkung natürlich immer gegeben. So hatten wir auch den ersten kleinen Konflikt zum Thema „Komm gilt auch, wenn Bran vorneweg woanders hinläuft“. Da ich aber draussen immer (!) die leichte Biothaneleine am Hund habe, konnte ich problemlos punkten.

Den ersten Durchfall hatten wir auch schon, aber dank der unvergleichlichen Moro’schen Karottensuppe, war der Spuk nach einem Tag vorbei. Das Rezept gibt es hier (auf der sowieso empfehlenswerten Seite „Erste Hilfe beim Hund“).

Unser Ausflug zur Umweltsozialisierung führte uns in den Bahnhof. Bei so einem Bahnhofsbesuch kann man gleich mehrere Sachen abhaken: Parkhaus, Aufzug,  viele Leute und glatter Boden, gruselige Treppe und natürlich die Züge 😉

Die Trainingsvideos sind weitestgehend von unserem Hundeplatz im Hundezentrum Aschaffenburg, da ich dort die Kamera aufstellen kann.  Wichtig ist, dass vorwiegend im Alltag trainiert wird.

Obwohl Ean in den Basisübungen schon recht zuverlässig ist, gibt es immer noch seeeehr viel Belohnung. Ich achte darauf, dass Leckerchen nicht immer in der Hand zu haben, sondern bestätige mit Markerwort Click und anschließend einer Belohnung (die ich auch immer variiere).

Beim Ausführen der Übungen ist mir die Alltagstauglichkeit, prompte Ausführung und vor allem Zuverlässigkeit wichtig. Wollte ich in den Sport gehen (z.b. Obedience), müßte wesentlich mehr auf Korrektheit geachtet werden. Da ich das auf keinen Fall anstrebe, ist es mir egal, ob das Sitz evtl. ein bißchen schief ist usw. Sportliches „Fuß“ trainiere ich ebenfalls noch nicht. Das derzeitige Kommando „Zusammen“ z.B. bedeutet nur, an lockerer Leine neben mir zu laufen.

Ich baue die Belohnungen erst nach und nach ab, allerdings frühestens ab dem 8. oder 10. Monat. Viele halten dies für Bestechung, aber es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen Bestechung und Belohnung. Vielleicht haben Sie Lust, diesen Blogbeitrag zum Thema nachzulesen.

 

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Trainingstagebuch Ean – Nr. 4

Die letzten Tage standen ganz im Zeichen der Umweltsozialisation. Es ist wichtig, dem Welpen die Welt zu zeigen, ohne ihn zu überfordern. Ean kommt von einem hervorragenden Züchter, so dass er furchtlos ins Leben marschiert. Trotzdem darf das nicht dazu verleiten, die Sozialisierung außer Acht zu lassen.

Über die erste Brücke seines Lebens ist Ean ohne mit der Wimper zu zucken marschiert. Er lief von sich aus direkt am Rand, ohne den „Abgrund“ weiter zu beachten. Unsere Übungsbrücke war ohne weiteren Verkehr, so dass ich mich dort auch problemlos hätte länger aufhalten können.

Wassergewöhnung – kleine Bäche kennt er schon, das war jetzt der erste größere. Erst mal gucken, was der Große macht.

Und gleich darauf mitten rein

Das Wasser ging ihm bis zum Bauch, was ihn nicht weiter gestört hat 😉

Zum Thema Autoverkehr ist es wichtig, nicht nur „normale“ Straßen zu besuchen, sondern auch einmal an einer Schnellstraße entlang zu laufen.

Keine Sorge, die Leine war in der Hand.

Heute sind wir dann zum ersten Mal auf etwas getroffen, das er etwas unheimlich fand: Pferde! Bei so einem Konflikt (Frauchen und die anderen Hunde standen da sehr nahe dran, wie er fand), zeigt sich viel vom eigentlichen Wesen (also seinem Charakter). Weicht der Hund zurück oder „greift“ er eher an? Beschäftigt er sich mit dem Problem oder ignoriert er es? Ean zeigte sich rassetypisch und knurrte gleich einmal. Ich habe ihn (an der Schleppleine) ein paar Schritte hinter mir stehen lassen und mich freundlich dem Pferd zugewandt. Mhaira findet Pferde eigentlich toll und kam gleich mit. Ean beschaute sich die Situation einige Minuten lang (er ist ein kleiner Denker…) und näherte sich dann bis auf einen guten Meter. Das reicht mir für erste Mal.

Da das Thema damit für Ean – anders als bisherigen Situationen – noch lange nicht erledigt ist, werde ich mir in den nächsten Tagen also mal einen Reiterhof suchen, damit Ean längere Zeit entspannt Pferde beobachten kann.

Übrigens: Die hier beschriebenen Situationen haben wir natürlich nicht alle hintereinander gemacht, Sozialisierung soll kein Marathonlauf sein. Gerade so junge Welpen brauchen Zeit zum Verarbeiten, am besten im Schlaf.

Jetzt muss ich erstmal Eans Trainingstagebuch ergänzen, ein super Hilfsmittel, damit ich nichts wichtiges vergesse und einen Überblick über den Trainingsstand behalte.

Da sind noch einige Lücken, die in den nächsten 6 Wochen abgearbeitet werden müssen 😉

… also Restaurantbesuch muss unbedingt häufiger geübt werden 😉 ….

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Trainingstagebuch Ean – Nr. 3

Ean zeigt sich immer häufiger als ein sehr selbstbewußter junger Mann und wirkt manchmal mit seinen 11 Wochen gar nicht mehr so wirklich welpenhaft.

Seine Freundschaft zu Bran wächst täglich und es ist wirklich herzerwärmend, den beiden beim Spielen zuzusehen. Aber in der Mehrhundehaltung hat das nicht nur Vorteile. Ich muss mir wirklich Mühe geben, damit seine Bindung zu mir ebenfalls so gut wird, wie zu Bran. Hierzu zählen z.B. kleine Ausflüge mit mir alleine, Spielen und Kurscheln.

Außerdem ist er natürlich wirklich wenig ganz alleine, so dass auch das „Alleine alleinebleiben“ gesondert trainiert werden muss. Das ist im übrigen das, was ich wirklich genau planen und mir vornehmen muss, da ich sonst gerne vergesse. Alles andere trainiere oder besser – lebe – ich im Alltag.

Sein großes Selbstbewußtsein läßt ihn in jede Situation furchtlos hineinmarschieren. Von Umwelteindrücken ist er immer gänzlich unbeeindruckt. Hier muss man den Züchtern wirklich ein großes Lob aussprechen, die Welpen sind hervorragend vorbereitet (und zum Beispiel auch schon an die Box gewöhnt worden).

Großes Selbstbewußtsein hat aber auch Nachteile. Zum Beispiel musste ich heute früh zweimal mit der Schleppleine nachhelfen, bis das „Komm“ wieder so funktionierte:

 

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Trainingstagebuch Ean – Nr. 2

Ean ist jetzt 9,5 Wochen alt und macht wirklich Spaß. Er ist einerseits ein ruhiger und konzentrierter Arbeiter, andererseits auch sehr wild und frech, wie Welpen nun mal sind…

Im Sitz kann ich zwei Schritte weggehen. Das Foto zu schießen war trotzdem eine Herausforderung, da ich ca. drei Meter weggehen muss und ich habe etliche Aufnahmen, auf denen er auf mich zuläuft.

Ich habe jetzt angefangen, mir gezielt Ablenkung für die Basisübungen zu suchen. Eine gute Gelegenheit ist kurz vor Beginn des Welpenspiels in der Hundeschule. Auf dem nachfolgenden Video ist er noch recht müde, weil kurz vorher erst aufgewacht. Trotzdem macht er sehr schön mit.

Spürhundausbildung habe ich nur einmal nach dem letzten Video trainiert, das sah dann so aus:

Vergangenen Freitag wurde Ean außerdem mit Miniminitrails angetrailt und hat seine Sache schön gemacht.

Alleine bleiben ist nicht seine Lieblingsübung. Im Büro klappt es seiner Box schon recht gut, beim Anbinden oder auf dem Hundeplatz alleine warten findet er noch ziemlich empörend. Ich belohne das daher großzügig, in dem ich wirklich alle 20 Sekunden zu ihm zurückgehe (wenn er ruhig ist).

Das Thema „Chihuahuas sind KEIN interaktives Spielzeug“ haben wir größtenteils durch, dadurch hat sich das NEIN auch sehr schön gefestigt 😉

Den Tierarzt haben wir trainingshalber auch besucht und er war wie immer cool und gelassen.

 

 

 

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Trainingstagebuch Ean von der Pattener Mühle, Altdeutscher Schäferhund

Seit kurzem wohnt wieder ein kleines Hundekind bei uns: Ean von der Patterner Mühle , ein Altdeutscher Schäferhund. Ean ist am 19.01.2017 geboren und letzten Freitag mit 8 Wochen zu uns gezogen.

Die Hunde sowie die Aufzucht bei Karin und Peter Wolf haben mir sehr gut gefallen, so dass ich froh bin, einen grauen Rüden anvertraut bekommen zu haben – vielen Dank für Mr. Coolman 😉

Ich möchte in diesem Blog ein kleines Trainingstagebuch über Ean führen als Anregung für den einen oder anderen Welpenbesitzer und als Einblick in unsere Arbeitsweise mit Welpen.

Ean hat die Autofahrt probemlos mitgemacht, nach zweiminütigem Jammern ist er zu meinen Füßen eingeschlafen. Da wir ihn erst abends abholen konnten, sind wir zu Hause nach kurzem Abendessen, einer kleinen Spielrunde und dem Kennenlernen des restlichen Rudels direkt ins Schlafzimmer. Meine Welpen schlafen die ersten Monate in einer Flugbox direkt neben meinem Bett, damit sie sich nicht einsam fühlen müssen, andererseits aber auch nichts anstellen können. Netter Nebeneffekt: Wenn die Blase drückt, wird gejammert (und nicht in eine Ecke gemacht), so dass ich aufstehen und mit dem Zwerg nach draussen gehen kann. Seit gestern nach schläft er übrigens durch 😉

In den ersten drei Tagen haben wir außer Spielen, Kuscheln und Minispaziergängen nichts gemacht.  Wobei das so nicht ganz stimmt…. Autofahren ins Hundezentrum mußte sein, vormittags das Büro kennenlernen und am Sonntag auch mal eine weile im Auto (ebenfalls in einer Box) warten, weil ich zum Modul 1 der Mantrailerausbildung fahren musste. Obwohl in diesen ersten Tagen noch kein formales Training läuft, benutze ich schon Hörzeichen wie „Mach Bächlein“ und „Komm“, wenn er es gerade tut. Außerdem verwende ich seinen Namen, wenn er mich ansieht. Unerwünschtes Verhalten wie Teppich ankauen etc. belege ich verbal mit „Nein“ in sehr strengem Tonfall und wegschieben vom Objekt der Begierde.

Am vierten Tag (also vor drei Tagen) beginne ich mit Training. In klitzekleinen Trainingseinheiten, die jeweils 1-3 Minuten dauern, beginne ich mit Sitz und Platz und in Eans Fall mit Nasenarbeit (Ziel, einen bestimmten Geruch, in meinem Fall Gluten, anzeigen zu können).

Generell arbeiten wir mit Markerwort (CLICK) und in den ersten Monaten mit Futterbelohnung.

Die restlichen Hunde, die da mit herumspringen sind meine eigenen: Drei Chihuahuahündinnen, ein Chimix (Rüde) und ein weiterer Altdeutscher Schäferhund. Alle sind übrigens nicht besonders begeistert vom Nachwuchs und er hat sich in den ersten Tagen ausschließlich Zurückweisungen eingefangen. Dabei konnte man schön sehen, dass er zum einen in einem großen Hunderudel aufgewachsen ist und die Feinheiten der Kommunikation perfekt beherrscht und andererseits ein sehr selbstbewußter Kerl ist, der nicht so leicht aufgibt.

Mindestens einmal am Tag unternehme ich einen kleinen Ausflug alleine mit ihm, ansonsten geht er eine kleine Runde mit dem ganzen Rudel. Umweltsozialisierung versuche ich weitestgehend alleine mit ihm zu unternehmen, wobei er sich immer sehr schön an mir orientiert und absolut unerschrocken ist.

 

Hier eine kleine Trainingseinheit „Sitz“ – dies ist die 4. Übungseinheit:

Platz – 2. Trainingseinheit

 

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Balljunkies – gibts das wirklich?

Unter Balljunkie versteht der Hundetrainer einen Hund, der regelrecht süchtig nach einem Spielzeug (es muss nicht unbedingt ein Ball sein, auch eine Frisbee oder anderes Spielzeug kann es sein) ist. Übrigens ist die Bezeichnung „süchtig“ nicht übertrieben, die Hunde zeigen alle Merkmale eines Abhängigen. Daneben laufen auch im Körper alle Vorgänge einer Suchterkrankung ab – inklusive Entzugserscheinungen.

Ist das begehrte Objekt in Sicht oder auch nur der Gedanke daran möglich, kann der Hund an nichts anderes mehr denken: Er kann nicht mehr spielen, schnuppern oder mit anderen Hunden kommunizieren. Nur der Gedanke an das Spielzeug beherrscht ihn. Er tänzelt neben oder vor seinem Menschen, bellt vielleicht, versucht alles, um den Menschen dazu zu bewegen, das Spielzeug wieder zu werfen. Hat er es schon, legt er es dem Menschen vor die Füße oder versperrt ihm den Weg.

Ganz schwere Fälle nehmen zur Not auch Staub oder Steinchen, die durch den Menschen beim Spaziergang hochgeschleudert werden.

Das vermeintliche Spiel entpuppt sich jedoch als Stress, wenn man sich den Hund einmal genau betrachtet: Angestrengt und nervös wartet er auf den nächsten Wurf, alle Gedanken sind darauf gerichtet. In seinem Wahn läuft der Hund beispielsweise sogar gegen Hindernisse, während er nur auf die Tasche mit dem begehrten Ball darin starrt.

Kurzfristiger Streß schadet natürlich nicht, aber täglich und bei jedem Spaziergang wird es natürlich zur Dauerbelastung. Erschwerend kommt hinzu, dass der Hund keinen natürlichen Hundebeschäftigungen mehr nachgeht: Schnuppern, spielen, kommunizieren, einfach laufen, ohne ständig unter Anspannung zu stehen. Dieser chronische Zustand macht krank!

Nicht zu unterschätzen ist auch die Gefahr für die Gelenke: Das ständige ruckartige Zusammenstauchen tut keinem Hund auf Dauer gut! Ist der Hund bereits genetisch oder krankheitsbedingt vorbelastet, ist er schnell „kaputtgespielt“.

Viele Menschen sind mit diesem scheinbar so spielerischen Zustand jedoch zufrieden, lässt sich doch der Hund mit dem Ball problemlos von allem abrufen oder an kritischen Situationen vorbeilotsen – Mit Gehorsam oder Bindung hat das jedoch nix zu tun – der Mensch mutiert lediglich zum Dealer.

Zur Balljunkie“karriere“ eignen sich alle temperamentvollen, spielfreudigen Hunde. Besonders häufig sind die sogenannten Arbeitshunderassen betroffen, wie Hütehunde und Schäferhunde etc.

Der Beginn ist oft unbemerkt – man freut sich, dass der Hund so schön mitspielt, bringt er doch den Ball immer wieder zurück. Und schließlich soll der temperamentvolle Hund doch ausgelastet werden, oder? Doch irgendwann ist die vermeintliche Auslastung keine mehr, sondern auch nach einer Stunde Ballwerfen steht der Hund immer noch fordernd vor einem – nun – nach einigen Monaten Training schön bemuskelt, aber geistig total gestresst und weit entfernt von einem zufriedenen Hund. Hat der Hund jedoch von Geburt an schon nicht ganz optimale Gelenke mitgebracht, rächt sich die ewige Abstopperei irgendwann – die ersten Arthrossen sind schon da.

Was also tun?

Hat man einen Hund, den man im Verdacht hat, er könnte auf dem Weg zum Balljunkie sein, gilt es, klare Regeln aufzustellen. Nie lässt man sich vom Hund überreden, den Ball zu werfen, sondern es bestimmt immer der Mensch. Nutzen Sie das geliebte Spiel als besonders tolle Belohnung für gute Leistung. Ein Beispiel: Mein altdeutscher Schäferhund stammt aus reiner Arbeitslinie und ist prädestiniert, ein Balljunkie zu werden. Sein heiß geliebtes Spiely bekommt er jedoch maximal 2-3x täglich. So gut wie nie, wird es einfach geworfen, sondern es steht immer eine kleine Übung vornedran. Mit einem Hörzeichen („Fertig“ z.B.) wird es weggesteckt – er weiß dann, dass er keine Chance darauf hat und kann sich wieder anderen Dingen zuwenden. Bettelt er darum, gebe ich NIE! nach.

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Geraten wir jedoch in eine schwierige Situation und ich möchte ihn besonders belohnen (nicht ablenken!!), z.B. wenn er sich angesichts von Rehen abrufen lässt, dann fliegt das Spiely ausgiebig. Das gleiche gilt nach einem besonders anstrengenden Trail etc.  Wichtig ist hierbei die Reihenfolge: Belohnen und nicht bestechen! Das bedeutet, dass der Hund erst sich hat erfolgreich rufen lassen und zur Belohnung und Ball bekommt. Bestechung ist es, wenn ich mit dem Ball winke und hoffe, dass der Hund daraufhin abdreht.

Ist es jedoch schon so weit gekommen, dass der Hund an nichts anderes mehr denken kann, hilft nur ein „kalter Entzug“:

In leichteren Fällen kann man das Spielzeug als Jackpotbelohnung noch mit auf den Spaziergang nehmen, holt es aber nicht hervor.

Es kann durchaus sein, dass der Hund nun eine halbe Stunde oder länger neben einem her läuft und nur auf das Spielzeug wartet. Beruhigt er sich gar nicht, dann nimmt man das Spielzeug überhaupt nicht mehr mit und stellt sich auf eine längere Geduldsprobe ein.

Während der Entzugsphase sollte man unbedingt versuchen, dem Hund ruhigere und auslastende Tätigkeiten anzubieten. Fährtenarbeit oder noch besser Mantrailing kommen dem natürlich Jagdverhalten von Hunden so ähnlich wie nur möglich und es gibt so gut wie keinen Hund, der das nicht gerne macht. Alternativ bietet sich sorgfältig aufgebautes Dummytraining an.

Kann der Hund wieder „normal“ während der Spaziergänge denken, kann man hin und wieder auch das Spielzeug suchen lassen. Werfen sollte die absolute Ausnahme sein und wird wie gesagt sinnvollerweise als Jackpotbelohnung genutzt.

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